Thursday, November 17, 2005

Engel und Engellied von Rilke


als schoengeistiges Schaf liebe ich die Poesie. Sandras Stoffengel hat mich dazu inspiriert einen Auszug aus Rainer Maria Rilkes Engelliedern zu veroeffentlichen

Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte in meinen Armen
und wurde klein, und ich wurde groß:
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloß.

Da hab ich ihm seinen Himmel gegeben, -
und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt ...

Seit mich mein Engel nicht mehr bewacht,
kann er frei seine Flügel entfalten
und die Stille der Sterne durchspalten, -
denn er muß meine einsame Nacht
nicht mehr die ängstlichen Hände halten -
seit mein Engel mich nicht mehr bewacht.
Schööööööööööööööööööön!

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